Go fast – Turn left


Das Flat Track - Fieber hat uns gepackt!

Alles beginnt 2017 im Hippodrome San Sebastian zum El Rollo Flat Track – Rennen im Rahmen des Surfer und Biker Festivals Wheels and Waves.
Die Vintage – Klassen, mit ihren grölenden Triumphs im Trackmaster Rahmen, jaulenden Zweitakt - Bultaco Astros und der roten Norton vom kürzlich verstorbenen Ron Wood persönlich, verzauberten uns vom ersten Augenblick an.
Das Oval, mit einer Länge von rund 300 Metern in Mitten der Reitrennbahn der baskischen Stadt San Sebastian, staubte zum Himmel.


Wir treten ein Stück von der provisorischen Randbefestigung aus Heuballen zurück. Die Schräglage der Fahrer in den Kurven und das darauf folgende Beschleunigen auf der Geraden ist uns nicht wirklich geheuer, da lag was in der Luft. Besser gesagt, da fliegt gleich was durch die Luft.
Wir sollten Recht behalten. Zwei Fahrer touchieren einander und der Eine landet mit seiner BSA direkt vor unseren Füßen in der Randbegrenzung. Nachdem der Staub verzogen war, stand der Kerl schon wieder auf den Beinen und schimpfte wie ein Rohrspatz. Die verbogene BSA aus den frühen 60er Jahren war erstmal Nebensache. Groß weh getan schien er sich auch nicht gehabt zu haben. Heute wissen wir, dass es einem meist erst ein bis zwei Tage später auffällt, wie sich ein Körper anfühlt, der von einem 140kg Flat Tracker malträtiert wurde.
Vollkommen beindruckt von dem, was wir an diesem wunderbaren Nachmittag erlebt haben, treten wir wieder unsere Rückfahrt nach Biarritz an.


In unserer Unterkunft angekommen und immer noch absolut geflasht von den geilen Ereignissen dieses Rennens war uns schnell klar: Da wollen wir ein Teil von sein, wir bauen uns einen Flat Tracker!

Kenny Roberts lässt grüßen

Gesagt, getan! Wheels and Waves 2018 steht vor der Tür und im Speziellen mein Kumpel Uwe hat in der letzten Zeit meine verstaubte, aber vollkommen intakte Yamaha YZ 450 R aus dem Jahr 2003 zu einem knochentiefen, hammergeilen und stilechten Flat Tracker in gelb umgebaut. Das Teil würde sogar Kenny Roberts gefallen.


Wheels and Waves 2018 – Wir kommen

Ein Flat Tracker für Zwei, bei einem Rennen, erschien uns etwas ungünstig. Aus diesem Grund hatte ich erstmal eine Vorderrad - Bremse montiert und mich dann mit der YZ beim Sprint Rennen Punk´s Peak in der Modern Class registriert. Eine kurvenreiche Bergstraße auf dem Jaizkibel, in der Nähe der baskischen Stadt Hondarribia hält jedes Jahr im Rahmen des Wheels and Waves Festivals dazu her.


32 Fahrer – 1 gegen 1. Der Schnellere kommt in die nächste Runde. Der Verlierer ist raus.
Drei Rennen konnte ich für mich entscheiden, bis mir dann im vierten Rennen von einem Franzosen auf einer Yamaha XSR 700 gezeigt wurde, wo der Hammer hängt.
Ein riesen Spaß, der unbedingt Lust auf mehr machte.


Uwe indessen hat sich mit der Yamaha zum Flat Track Rennen El Rollo im Lasarte Hippodrome San Sebastian eingeschrieben. Dummerweise war die für Anfänger gedachte Rookie - Klasse bis 400ccm limitiert. No Risk - No Fun. Also, ab in die offene Modern - Klasse mit Fahrern wie dem holländischen Meister Maikel Dijkstra #58 und dem ultraschnellen Franzosen Wilfried Delestre #55.
Nachdem Uwe von kurzer Übelkeit am Renntag geplagt wurde, ich würde mal behaupten vor Aufregung, positionierten wir unser in ferrarigelb lackiertes Gerät im Fahrerlager und genossen die unglaubliche Atmosphäre. Erst standen vier Runden Trainingslauf an.
Es war eine ganz neue Erfahrung, aber seine Augen leuchteten, die Übelkeit war verflogen.
Das erste Rennen stand an. 6 Runden, eher auf einem Acker, als auf einer sauber abgezogenen Speedway Aschebahn. Aber wacker geschlagen.
Beim zweiten Rennen konnte Uwe sich für mich an dem französischen XSR 700 Fahrer revanchieren, der mich beim Punk´s Peak Race stehen ließ. Danke dafür.


Insgesamt war Wheels and Waves damit unser Start mit fast 50 Lenzen in das Rennfahrerleben.

On any sunday

Eine tolle Erfahrung, die unbedingt Lust auf mehr machte. Nur wie? Rund um Köln gab es nicht eine Strecke, die uns die Möglichkeit zum Trainieren gab. Somit dauerte es ganze 6 Monate, bis uns ein Kumpel auf eine Flat Track Strecke im holländischen Lelystad aufmerksam machte.
Dirt Track Lelystad ist eine alte Speedway Strecke, die von Flat Track verrückten Jungs um Dirk Pieper gekapert wurde. Sie bieten in regelmäßigen Abständen Try Outs und Schulungen an.
Ende Oktober 2018 fand ein Try Out statt. Also hin da. 30 Fahrer teilen sich in fünf Gruppen sechs Yamaha TTR 125, ohne Vorderrad - Bremse versteht sich. Die letzten Runden wurden auf umgebauten 450er Crossern absolviert, Braap Braap! Zum Abschluss gab es Heineken Büchsenbier und Burger, ein Fest.
Vollkommen begeistert meldeten wir uns im Anschluss direkt zweimal zur Flat Track School bei Maikel Dijkstra und Jan Simon ter Heide an. Sliden, Driften, auf der Stelle drehen. Klappte schon ganz gut.
Wemutstropfen: Rippenprellungen, Mittelfuss gebrochen und Uwe´s Helm wurde nach einem Sturz von einem nachfolgenden Fahrer als Traktionshilfe missbraucht. Aber alles nicht so schlimm, wie es sich anhört.
Mopeds müssen her
Nachdem wir die YZ wieder frisch gewienert in meinem Büro platziert hatten, und uns das gute Stück auch irgendwie zu schade für den Track erschien, beschlossen wir bis zum Beginn der Saison 2019 neue Flat Tracker aufzubauen. Das Budget hatten wir mal mit jeweils rund 3.000,00 Euro angesetzt.
Uwe entschied sich als Basis für eine 2006er KTM 450 SX mit E – Starter.
Ich hatte eine KTM 950 SM aus 2006 ins Auge gefasst. Ja, ich weiß, bescheuert. Die Super Hooligan Klasse mit mindestens 750ccm und mindestens zwei Zylindern hatte es mir aber angetan.
Es musste schnell gehen, da wir davon ausgegangen sind, dass wir in den Wintermonaten irgendwann zur Free Practice auf den Track in Lelystad kommen.
Dass sich das bis Anfang April 2019 zog, sollte sich als Vorteil erweisen. Die KTM´s wurden pünktlich fertig.
Die ersten Fahrversuche auf unseren eigenen Flat Trackern unternahmen wir im April 2019, zwischen einem großen Feld an Speedway – Fahrern, im Training auf einer Strecke im belgischen Heusden – Zolder.
Ne, was war das geil. Uwe´s 450er schien gut abgestimmt. Meine 950er hatte viiiiel zu viel Power. Das bedurfte noch einer Menge Praxisrunden, bis ich das Teil, mit seinen fast 100 PS, gebändigt bekam. Fahrwerk und Motor liefen nach diversen Abstimmungen aber super.

Die erste Flat Track Saison beginnt

Die Saison begann mit dem berüchtigten Hells Race in Lelystad. Alles was Rang und Namen in dieser winzigen Szene hatte, lief da auf. Bis zum Hals tätowierte Engländer, stylische Franzosen und der Berliner Martin Hüning mit seiner unglaublich lauten Harley Davidson XR 750 aus dem Jahr 1976.
Keine halben Sachen. Also haben wir uns erstmal direkt in drei Klassen angemeldet.
In der Newbie – Klasse kannst Du mit allem fahren. Hauptsache keine Stollenreifen und „no frontbrake“ ist obligatorisch.
Die Rookie - Klasse ist für Flat Track – Anfänger gedacht. Hier sind 19 Zoll Räder vorgeschrieben.
Da in der Super Hooligan - Klasse die DTRA - Europameisterschaft ausgetragen wurde, habe ich mich da beflissen rausgehalten und meine 950er KTM in der Thunder – Klasse angemeldet, was sich aber als Trugschluss herausstellen sollte.
Die Thunder – Klasse schreibt mindestens 600ccm vor. Dass bedeutet ein Feld an eingefleischten Flat Trackern auf speziellen Framern mit Rotax – Motor. Ich habe kein Land gesehen.
Für uns stand an diesem Tag eher die olympische Disziplin, dabei sein ist alles, im Vordergrund. Aber geil!
Übrigens habe ich unsere YZ wieder ausgemottet und bin die Newbie und Rookie – Klasse damit gefahren. Uwe hat es verziehen.


Die darauf folgenden Rennen El Rollo in San Sebastian, das Krowdrace in Diedenbergen und die neu ins Leben gerufene Dirt Track Lelystad Series haben uns Erfahrungen, Blessuren und ohne Ende Freude eingebracht.
Im nächsten Jahr haben wir uns vorgenommen zusätzlich die Minibike – Klasse zu entern. In dieser Klasse sind maximal 160ccm und eine max. Radgröße von 17 Zoll erlaubt.
Aber dazu mehr in unserer nächsten Story. Stay tuned.