Flat Track–Wintersession


Wir bauen uns einen Indoor – Track als Trainingscamp für die Wintermonate!

Es ist Oktober 2019, der Winter naht und die Gewissheit, dass wir eine lange Flat Track - Zwangspause haben werden, setzt ein.

Doch genau zu dieser Zeit tut sich eine Lösung auf - wir bekommen für die Wintermonate die Möglichkeit geboten, eine leerstehende Lagerhalle als Indoor-Track zu nutzen.

Das lassen wir uns nicht zweimal sagen. Maßband und Entfernungsmesser werden eingepackt und die Halle unter die Lupe genommen.

Riesige 1.450 qm, nur leider regelmäßig mit Hallensäulen durchsetzt.

Die Frage lautet also: Säulen in der Kurve -gefährlich-, oder noch mehr Säulen entlang der Geraden? Ebenso gefährlich…

Wir entscheiden uns für die Geraden. Ergebnis: Ein kleines Oval von 38 x 27 m soll unser Trainingscamp für die Wintermonate werden.

Zuerst kleben wir rot-weißes Warnband innen und außen auf den hyperglatten Betonestrich und sichern die Hallensäulen prophylaktisch mit ausgeliehenen alten Reifen. Geprüft, für gut befunden und fertig. Das muss reichen.

Nun folgt das größte Problem - Uwes Ex-Vollcrosser KTM SX 450 mit über 60 PS und mein Hooligan Flat Tracker KTM 950 SM mit knapp 100 PS sind aufgrund von Lärm und Abgasen in der Halle nicht mal startfähig, geschweige denn geeignet, um durch das Oval zu zirkeln.

Damit verstärkt sich unser Wunsch nach der Minibike-Klasse für die kommende Saison noch weiter.

Wir brauchen Minibikes. Wie gut, dass Dirt Track Lelystad jetzt neuerdings auch Händler für Sunday Motors geworden ist.

Affengeile Flat Tracker im Miniformat und Ableger der französischen Pitbike-Marke YCF, alles im Vintage-Style in China gefertigt. Die Technik ist einfach, funktionell und leistungsstark. Wenn mal etwas zu Bruch geht, ist es einfach und kostengünstig zu ersetzen.

Das 187er-Model, mit einem immens starken 190ccm Daytona Vierventiler und 23 PS, fällt aus, da in der Flat Track Minibike-Klasse maximal 160 ccm erlaubt sind.

Damit fokussieren wir uns auf das kleinere 147er-Model, das auch 30 % günstiger ist. Die 18 PS sollen für unser Vorhaben „erstmal“ reichen.

Die beiden Bikes sind kurzfristig verfügbar, Abholung inklusive erstem Ausflug auf den Track im niederländischen Lelystad versteht sich von selbst! Eins muss ich schon mal vorweg nehmen: Flat Track in der Halle macht abhängig!

Nach der Arbeit, am Wochenende, nachts und eigentlich immer, wenn es unter den Nägeln brennt, verabreden wir uns in der Halle und fahren unsere 200 - 300 Runden.

Jetzt verstehen wir erst, was eigentlich die Flat Track AMA – Stars in den USA auf der „Half Mile“ veranstalten.

So früh wie möglich aus der Kurve raus, „Full Trottle“ und Gas stehen lassen. Fuß sofort wieder auf die Raste. Immer länger, immer näher in die nächste Kurve rein. Schrägstellen und Gas weg. Bremsen ist überflüssig.

Das Teil so schnell wie möglich wieder in Fahrtrichtung drehen und Braaaaap.
Vom ersten Tag an messen wir die Rundenzeiten anhand einer Lichtschranke und einem Sender am Lenker.

Wir sind mit rund 9 Sekunden pro Runde im November gestartet, Ende Januar hält Uwe den Rundenrekord mit 6,71 Sekunden.

Viele aus der Flat Track-Community brauchen wir gar nicht erst darum bitten, einmal mit uns durch das Oval zu jagen. In regelmäßigen Abstand haben wir Besuch von Flat Track - verrückten Jungs und Mädels aus allen Himmelsrichtungen. Für uns alle war das gemeinsame Rundendrehen in der Halle ein besonderes Erlebnis und einzigartiges Event.

Ende Januar ist unsere Strecke dann doch mit einem riesen Lagerregal zugebaut und damit endet dieses Abenteuer für uns, zumindest zunächst.

Abgefunden haben wir uns mit diesem „Zwangsende“ natürlich noch lange nicht, aber das ist eine andere Geschichte.
Bleib dran!